Ein besonderes Jubiläum darf der Ortsverband (OV) des Technischen Hilfswerkes Rottenburg vermelden: Unser langjähriges Mitglied Peter Wagner (senior) vollendete neulich sein 70jähriges Dienstjubiläum. Nicht die ganzen siebzig, aber immerhin mehr als fünfzig Jahre seiner THW-Mitgliedschaft verbrachte Peter Wagner, Jahrgang 1938, bei uns im Rottenburger OV – und etliche davon in leitender und auch prägender Funktion.
Zur Einordnung: 1950, grob ein Jahr nach dem in Kraft treten des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland, wurde in Bonn, der damaligen Bundeshauptstadt, die Bundesanstalt THW gegründet - als Nachfolger der Technischen Nothilfe. Eine gewisse Bekanntheit erlangte das THW schon 1953 im Rahmen eines Auslandseinsatzes bei einer Sturmflutkatastrophe in den Niederlanden. Am 1. März 1954 erfolgte dann die Gründung des Rottenburger OVs.
Etwa einhundert Kilometer weiter südlich, in Radolfzell am Bodensee, wurde der junge Elektrikerlehrling Peter Wagner durch einen Nachbarn auf das THW aufmerksam – und eine nun mehr als 70 Jahre währende Geschichte nahm ihren Lauf. Das unfehlbare Archiv des THWs listet ihn seit 4. Oktober 1955 als Junghelfer bzw. seit 1. Januar 1957 als Helfer.
Der vitale Jubiliar erinnert sich gerne: „Das Radolfzeller THW baute damals als Standort eine große Holzhalle am südlichen Stadtrand Richtung Moos direkt an den Bodensee. Wir Mitglieder halfen alle mit und schufen nebenbei einen Seehafen für die Bodenseeboote des THW. Eine große Aufgabe des THW Radolfzell war damals nämlich die Schiffbarhaltung der Seehäfen bei der damals noch jährlichen 'Seegefrörni'.“ Aber schon damals hatte die Führung der Bundesanstalt ein Augenmerk auf die Weiterbildung der Helfer - und so ging es auch mal zum Brückenbau in das ferne Ahrtal.
Behaglichkeit und Ausruhen waren aber schon damals sein Ding nicht. Deshalb zog es den mittlerweile bei den Stadtwerken als Elektriker arbeitenden Peter Wagner nochmals auf die Schulbank, genauer an die Fachhochschule Konstanz, wo er 1962 mit dem Abschluss zum Diplom-Ingenieur (FH) den Grundstein für seine berufliche Karriere legte. Und die sollte ihm auch weitere, tiefe Einblicke in das THW ermöglichen. Berufliche Stationen als Ingenieur bei der EVS Stuttgart und dem Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk verband er stets mit Engagement im THW (mittlerweile in Öhringen). Und vergaß dabei auch die Freuden des Ehrenamtes nicht: „Ganz nebenbei machte ich 1969 nun in Ahrweiler den Lehrgang zum Sprengmeister, was mich zu mehreren interessanten Aufträgen führte.“
1971 dann der für uns entscheidende Schritt – familiäre Gründe bewogen ihn, die Nähe seines Elternhauses zu suchen, und sich erfolgreich auf die begehrte Stelle des Chefs der Rottenburger Stadtwerke zu bewerben. Die alte Römer- und Bischofsstadt wurde nun seine neue Heimat – und damit auch unser OV!
Und hier ging es für den erfahrenen und breit qualifizierten Helfer rasch nach oben. Wenige Jahre später, genauer zum 1. Oktober 1977 wurde er feierlich zum Ortsbeauftragten (OB) im THW OV Rottenburg berufen. Dieses Amt füllte er bis 30. März 1985 erfolgreich und stets mit südbadischem Herz&Humor aus.
In Peter Wagners Amtszeit als OB fallen prägende Ereignisse für die Region und den OV, wie ein größerer Einsatz nach dem Erdbeben in Albstadt 1978, aber auch die Gründung von wichtigen Gliederungen im OV wie der Jugendgruppe 1979 oder der Helfervereinigung 1981 sowie die Einweihung des Rettungszentrums in der Sülchenstraße 1980. Hier konnte der OV seine Fahrzeuge unterstellen. Die damalige Unterkunft war erst in der Moritzschule, später im Schänzle (die aktuelle im Lauberbühlweg - das ehemalige Warnamt - wurde 1997 bezogen.). Die Älteren im OV erinnern sich auch noch gerne an einige Bildungsfahrten ((West-)Berlin, Hamburg und Paris) und die Partnerschaften zum OV Charlottenburg-Wilmersdorf sowie zu einer im nahen Münsingen stationierten Einheit der Bundeswehr.
Abseits des OVs engagierte er sich im Rahmen des Bevölkerungsschutzes in übergeordneten Gremien – und baute bereits während und auch noch nach seiner Zeit als OB seine praktischen Kenntnisse und Fähigkeiten im Rahmen des THWs weiter aus. Das betraf so vielfältige und wichtige Bereiche wie den Katastrophenschutz aber auch den Brunnenbau und die Trinkwasseraufbereitung.
Diese Art von Kompetenzen sind auch im Ausland gefragt, vor allem in schwierigen Zeiten und da, wo es brenzlig ist. Seine Auslandshistorie als THW-Angehöriger umfasst deshalb auch Aufenthalte in der Anfang der 1990er implodierenden Sowjetunion. Hier wurde der oft gesuchte Experte nicht nur Zeuge einer tiefgreifenden historischen Dynamik, die den wirtschaftlichen und sozialen Alltag von Millionen Menschen teils völlig auf den Kopf stellte, sondern musste auch die Widrigkeiten und Schwierigkeiten eines Systems im Chaos meistern. Die Belohnung für so viel Wissen, Nervenstärke und Einsatzbereitschaft ließ nicht lange auf sich warten. Als Auszeichnung für seine hervorragenden Dienste bei Auslandseinsätzen erhielt er 1991 auch eine Einladung von Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher nach Bonn-Bad Godesberg. Dieses Treffen wurde sogar in der Tagesschau dokumentiert.
Wir wünschen unserem Peter Wagner noch viele glückliche und gesunde Jahre an der Seite seiner Frau Marlies. Für uns im OV Rottenburg ist und bleibt seine Erfahrung, seine Lebenseinstellung und Arbeitsauffassung, und seine dem Menschen zugewandte Art stets ein Quell der Inspiration und ein Vorbild. Wir sind stolz darauf, ihn in unseren Reihen zu wissen.
Für den THW OV Rottenburg,
Alexander Neubauer (Ortsbeauftragter des THW-Ortsverbandes Rottenburg) und
Fabian Schlimper (Stellvertretender Ortsbeauftragter des THW-Ortsverbandes Rottenburg).
Redaktionskontakt: Claus Keller (boe@thw-rottenburg.de)